Ereignis der Auferstehung im Leben konkret werden lassen

 

Aus Furcht vor [dem Engel] erbebten die Wächter und waren wie tot.“ (Mt 28,4) Dieser Satz wurde mir ein Steigbügel zum Ereignis Ostern. Wenn wir uns in die Szene versetzen, ist er Hinweis, dass es hier ganz anders zugeht als gewohnt.

Bei Wächter denke ich zwar zunächst an Angestellte eines Bewachungsunternehmens. Hier ist allerdings von römischen Legionären die Rede. „Eine ausgefeilte Waffe. Das beste System der Zeit,“ wie ein Historiendarsteller es im Herbst vor Religionsschülern präsentierte. Sie waren gleichsam gefürchtet und begehrt. So auch bei den Vertretern des Hohen Rats. Sie hatten Pilatus eine Wache zum Schutz des versiegelten Grabes abgerungen – und was für eine! Die meisten unliebsamen Besucher wären die durchtrainierten Haudegen im Handumdrehen losgeworden. Sie zu bestechen, war möglich. Für die Legionäre jedoch mit dem sehr realen Risiko einer unerwünscht hohen Strafe versehen. Das Grab war folglich gut gesichert.

Beim Lesen des Verses ist zu bedenken, dass die Soldaten, die Pilatus unterstanden, etwas mehr als den „grünen Urlaub“ absolviert hatten. Sie waren kriegserprobt und hatten oft bereits an unterschiedlichsten Schauplätzen gekämpft. So waren die brutalen Exekutionen bestimmt nicht die einzigen Gräuel, mit denen sie gewaschen waren. Die Erscheinung des Engels jedoch liess sie zittern wie Espenlaub und wie tot zu Boden gehen. Eindrücklich. Dabei ist die Gegenwart der Engel lediglich ein Nebeneffekt dessen, was eigentlich geschah: Die Auferstehung Jesu. Neues Leben in einem aufs Übelste geschändeten Leib. Ein Körper, der dreifach sicher tot war: Als Langzeitfolge des Auspeitschens und der Geisselung. Als Folge der Kreuzigung. Und sicherheitshalber noch den tödlichen Stoss ins Herz mit einer Lanze. Alles durch Professionelle ausgeführt. Kurzum: Jesus hätte das Grab nicht verlassen sollen – nicht tot und schon gar nicht lebendig!

In jenem Moment, als die Wächter wie tot zu Boden fallen, war’s bereits vorbei. Der Engel wälzte nur den Stein fort, um Einblick in den Innenraum zu gewähren. Die Auferstehung war schon geschehen. Das Grab war bereits leer. Jesus hatte den Ort verlassen. Daran hatte ihn der Stein nicht hindern können. Das Siegel erst recht nicht. Ebenso wenig die gestählten Soldaten. Und auch der Tod vermochte ihn nicht festzuhalten. Gott war am Werk.

Wie die Liturgie in der ihr eigenen Sprache, so berichten uns auch zahlreiche Passagen der Schrift von der Auferstehung. Das Miterleben der Liturgie dieser Tage wie die Lektüre entsprechender Passagen lassen uns Anhaltspunkte finden, die helfen das Ereignis neu zu verstehen und in Leben konkret werden zu lassen. Ich möchte Sie ermuntern, diese Tage die Liturgie mitzufeiern und auch die Bibel zur Hand zu nehmen, darin zu blättern und die entsprechenden Abschnitte zu lesen, darüber nachzusinnen, darauf „zu kauen.“

Ihnen allen und jeder Einzelnen, jedem Einzelnen ein gesegnetes Osterfest!

Pascal Bamert

PS: Am Ostersonntag bieten die Minis dieses Jahr in der 10-Uhr-Messe in der kleinen Kapelle einen eigenen Wortgottesdienst für Kinder an. Herzlich willkommen!


 

Selig, die arm sind vor Gott, ihnen gehört das Himmelreich

Je hinfälliger wir sind, ums so mächtiger ist seine Hilfe

Unter diesem Leitwort stehen die diesjährigen Karwochenvorträge. Dabei dürfte klar sein, dass nicht die Armut an sich das erstrebenswerte Ziel ist. Das Himmelreich ist nicht erbärmlich und arm, sondern es zeichnet sich aus durch Herrlichkeit und Leben in Fülle. Wenn der Herr die vor Gott armen seligpreist, dann besagt das, dass Gott sich der real existierenden Armut annimmt. Gott schaut nicht an der Not vorbei, sondern er sieht auf unsere Not und gibt uns die sichere Hoffnung, dass wir trotz unserer real existierenden Erbärmlichkeit zur Herrlichkeit des Himmels berufen sind. Das Tagesgebet vom Freitag der 4. Woche der Fastenzeit bringt das wunderbar zum Ausdruck: „Barmherziger Gott, du kennst unsere Schwachheit und unsere Not. Doch je hinfälliger wir sind, um so mächtiger ist deine Hilfe.“ In den diesjährigen Karwochenvorträgen werden wir in gewisser Weise mit Gott auf unsere Erbärmlichkeit schauen und darauf, wie er uns zum Leben führen will.

 

Gemeinsame Wege aus der Armut

Im ersten Vortrag am Montag 15. April richtet sich unser Blick darauf, wie die Gemeinschaft unter den Menschen hilft, aus Armut und der damit verbundenen Isolation herauszufinden. Nelly Schenker legt Zeugnis darüber ab, wie sie zusammen mit andern den weg aus der durch Armut verursachten Isolation herausgefunden hat.

Die Armut der Kirche und die Hilfe der Gnade Gottes

Ganz anderer Gestalt ist die Armut, der wir uns am Dienstag, 16. April zuwenden. Die Kirche, berufen zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes besteht doch auf dieser Erde aus sündigen Gliedern. Die Schwäche und das Versagen der Gläubigen und ihren Hirten trübt das Zeugnis der Kirche und wird von deren Feinden oftmals erbarmungslos ausgeschlachtet, so dass wir manchmal fast meinen, die Kirche würde untergehen. Doch auch in dieser Not und Erbärmlichkeit kommt uns die Gnade Gottes immer wieder zu Hilfe. Herausragende Gnadenmittel sind dabei die Verehrung der Hl. Eucharistie und der Jungfrau und Gottesmutter Maria sowie  die Führung durch den Heiligen Vater (Beeindruckend, wenn wir nur sehen, wie viele grosse Päpste uns in den letzten 200 Jahren geschenkt wurden).

 

Mein Jahr mit Mutter Teresa und den Ärmsten der Armen

Schliesslich schauen wir am Mittwoch noch einmal auf die konkrete Not der Menschen am Rand der Gesellschaft. Marcus Pohl hat 15 Monate in einem Sterbehaus von Mutter Theresa in Kalkutta verbracht und hilft uns zu erkennen, wie Gott seine Herrlichkeit inmitten der grössten Not aufscheinen lässt.

 

Mit diesen drei Blicken auf die Armut der Menschen und die Kraft der Gnade Gottes soll unser Vertrauen gestärkt werden in die barmherzige Liebe des dreifaltigen Gottes.

Stefan Kemmler, Pastoralraumpfarrer


 

Er hat für uns gelitten

Zwei Wochen vor Ostern beginnt die Passionszeit. Die Kreuze in der Kirche werden verhüllt und im Stundengebet der Kirche beginnen die Gebete leicht von den vorangehenden 4 Wochen abzuweichen. Im Wort „Passion“ sind bereits zwei charakteristische Merkmale dieser Zeit enthalten: Das Leiden (hat gelitten) und die Leidenschaft (für uns).

In der Passionszeit tritt natürlich zuerst das Leiden des Herrn in den Vordergrund und findet in den Ereignissen des Karfreitags seinen Höhepunkt. Das Leiden bekommt aber seinen eigentlichen Sinn nur, wenn es gesehen wird zusammen mit dem „für uns“, mit der leidenschaftlichen Liebe, die der Herr für uns hat.

Weil er uns liebt, hat er für uns gelitten. Das angenommene Leiden ist ein Ausdruck der Liebe. Wer jemanden liebt, ist bereit, für den geliebten vieles zu ertragen. Der liebende leidet lieber selber, als dass er den geliebten leiden sieht. Der Herr liebt uns so sehr, dass er für uns Leiden und Sterben ertragen hat.

Das „für uns“ beinhaltet aber auch den Gedanken der Stellvertretung. Der Herr hat an unserer Stelle gelitten. Das Leid, das eigentlich auf uns lasten würde, hat er auf sich genommen. Er hat unsere Last getragen.

Was Stellvertretung bedeutet, das können wir vielleicht erahnen, wenn jemand bewusst für uns eine Aufgabe übernimmt (und uns den Lohn lässt). Wenn jemand aus Liebe etwas für uns tut, was eigentlich wir tun müssten.

Mit der Stellvertretung ist auch die Sühne verbunden. Sühne ist dabei keineswegs einfach ein aussitzen einer Strafe. Sühne ist die Übernahme einer Last, um die Wunden von Schuld und Sünde zu heilen. Wer sühne leistet, macht nicht mehr und nicht weniger, als das Haus wieder aufbauen, den Garten wieder herstellen Licht ins das Dunkel zu bringen. Als Sühne für unsere Sünden ist der Herr gestorben.

Seit dem Sündenfall lasten Leiden und Sterben auf dem Menschen auf jedem Menschen. Keiner kann ihm entrinnen. Nun kommt der Herr und nimmt diese ganze Last auf sich, um uns in die Freiheit zu führen, um uns ewiges Leben zu schenken. Mel Gibson bringt die Bedeutung des Leidens des Herrn auf den Punkt, als an Anfang seines Filmes „Passion“ den Versucher fragen lässt „Glaubst du (Jesus) wirklich, dass EIN Mensch die ganze Last der Sünde tragen kann?“. Die Frage dürfen wir uns auch heute stellen – die Antwort ist das Leiden unseres Herrn.

Stefan Kemmler, Pastoralraumpfarrer