Ich bin beschäftgt, mich auszuruhen ...

 

Ferien - anders

 

«Wir beide haben die Schweiz gerne und bleiben im Sommer eigentlich immer hier. Dieses Jahr versuchen wir uns eine Woche beim Wandern», erzählte mir ein junges Paar. Wenn es beim Small Talk zum Thema Ferien kommt, scheint die Euphorie im Allgemeinen jedoch aktuell etwas verhaltener als sonst. «Ins Ausland? Sicher nicht! Ich fahre sonst nicht so oft weg, und in diesem Jahr ist es mir einfach zu unsicher.»

Die Urlaubspläne sind mitunter oft vage. Manchmal erst ein Gedanke: «Ich habe im Betrieb noch Ferien zugute. Noch warte ich jedoch zu.» «Im August nehme ich mal eine Woche.» Unsicherheit ist ein Schlagwort: Ferienorte in Europa werden zwar wieder zugänglich. Lokale Infektionsherde, zahlreiche und sehr unterschiedliche Auflagen zum eigenen Schutz schrecken jedoch ab. Und bei weiter entfernten Destinationen werden die Transportmöglichkeiten erst langsam absehbar. Und auch dann ist der Ticketkauf nicht der erste Gedanke, wie mir ein Familienvater erzählte: «Normalerweise fliegen wir in die Heimat. Jetzt gibts zwar bald wieder Flüge. Doch (dort) gibt es derzeit sehr viele Ansteckungen. Diesen Sommer bleiben wir hier.»

Rund vierzig Prozent der in den zu St. Anton gehörigen Vierteln wohnenden Bevölkerung stammen aus dem Ausland (vgl. Statisti-sches Amt). Und wir Katholikinnen und Katholiken sind gar noch internationaler. Das heisst aber auch: Während bei uns die Fallzahlen derzeit tief sind und viele im Zuge der Lockerungen aufatmen können, steigen die Neuansteckungen in anderen Weltregionen. Hier haben wir zwar eine Verschnaufpause. Die Anspannung nimmt mit Blick auf die Lieben in aller Herren Länder allerdings eher zu. Wo die Gebete weniger für Verwandte und Freunde sind, kreisen die eigenen Gedanken bei all den Meldungen zu den wirtschaftlichen Aussichten oftmals um die finanzielle Zukunft.

Aber inmitten der zahlreichen Unsicherheiten gibt es auch Lichtblicke und Überraschendes. Mich beeindruckte die Solidarität einer Familie, die ihr Kind zur Taufe brachte: Gerne wären sie mit Familie und Freunden zusammengesessen. Den schönen Moment wollten sie nicht untergehen lassen, so haben sie ihn verschenkt: Sie luden die einzelnen Gäste mit einem Konsumationsgutschein für den Tag ihrer Wahl ins entsprechende Restaurant ein. «Ihr seid das Licht der Welt» (Mt 5,14).

Manchmal lässt sich auch mit der Einstellung vieles erreichen – so berichtete mir ein junger Mann: «Wir fah-ren nicht weg. So nutze ich die Gelegenheit, beim Training etwas von der verpassten Zeit aufzuholen.» Andere er-zählten mir, dass sie die Ferien zur körperlichen Erholung und gleichzeitig zur geistlichen Erneuerung nutzen wollen: Einen Einkehrtag von zuhause aus, eine Woche ins Kloster, Freunde aus der Exerzitiengruppe treffen ...

Was auch immer Sie diesen Sommer vorhaben:

Möge Gott mit Ihnen sein. Und auch wir sind weiter für Sie da.

Pascal Bamert


 

Pfarreileben in Coronazeiten

Schon seit einigen Wochen legt nun das Coronavirus unser gesellschaftliches und kirchliches Leben lahm. Seit dem 28. Mai können wir nun wieder Gottesdienste feiern.
Leider ist das Coronavirus nicht allein geblieben. Auf geistlicher Ebene sind allerlei andere dazu gekommen:

Das Virus der Angst, das fragt: Wohin wird das noch führen? Wird es auch mich treffen oder Menschen, die mir wichtig sind? Wer hilft mir, den Alltag zu meistern? Ganz handgreiflich, beim Einkaufen – oder seelisch? All die Sorgen, die wir vor Corona schon hatten, sind ja nicht einfach weg.
Das Virus des «Ich zuerst», eine Mutation des Virus der Angst, die zu Panik­­käufen führt oder Lügen gegenüber Ärzten und Spitälern, um zu einem Test zu kommen.
Das Virus des Ärgers und manchmal auch des Trotzes unter jenen, die die Situation gelassener sehen und den Eindruck haben, die Massnahmen des Bundes gehen zu weit.
Manchmal genügt es, dass nur ganz wenig in uns oder in anderen krank ist, im Denken, im Fühlen, in den Einstellungen, die das Handeln antreiben, und schon kommt noch mehr durcheinander, nicht nur im eigenen Leben, auch im Leben von anderen.
Erfreulicherweise wirken aber auch viele heilsame Viren, manchmal auf ganz unerwartete Art und an ganz unerwarteten Orten:
Das Virus der Solidarität zwischen Gesunden und Kranken, Jungen und Alten, Überlasteten und zur Untätigkeit gezwungenen.

Das Virus der Dankbarkeit für Dinge und Dienstleistungen, die lange Zeit für selbstverständlich erachtet wurden.

Das Virus der wiederbelebten Kontakte zwischen Menschen, die sich aus den Augen verloren haben.
Auch in unserem Pfarreileben ist so ziemlich alles durcheinandergeraten, zumindest in Bezug auf alles, was mit persönlichen Begegnungen zu tun hat. Räumlich müssen wir auf Distanz gehen – aber gefühlsmässig sind wir aufgerufen, noch näher zusammenzurutschen als bisher.
Aber der Sozialdienst hat immer versucht, die persönlichen Beratungsgespräche weiterzuführen, wo telefonische oder elektronische Beratung nicht ausreichend waren.
Der Sozialdienst hat mehrere Familien finanziell unterstützt oder ihnen mit Lebensmittelgutscheinen
weitergeholfen.
Bis wieder Normalität einkehrt, wird es aber noch lange dauern.

Gaetano De Pascale